Rapserdfloh: Behandlungsentscheidungen optimieren

Zur Überwachung des Rapserdflohs gehören Gelbschalen ab der Aussaat auf jede Rapsfläche! Die Zuwanderung des Erdflohs ist nicht nur von Region zu Region, sondern auch von Schlag zu Schlag sehr unterschiedlich. Die Käfer überbrücken den Sommer in Waldrändern und Hecken. Ihre Zuwanderung in den jungen Raps wird v.a. durch die Temperatur bestimmt. An warmen bedeckten Tagen kann spontan massiver Zuflug ausgelöst werden, sobald die Sonne kurz durchkommt. Die Tiere reagieren darauf erstaunlich schnell. Bei ganztägig bedecktem Wetter oder starkem Wind ist allerdings auch bei sonst günstigen Bedingungen kein Zuflug möglich. Nach der Einwanderung beginnen die Käfer mit dem Reifungsfraß an den Blättern. Bei starkem Fraßschaden (Blätter siebartig durchlöchert) kann in Ausnahmefällen eine frühzeitige Behandlung notwendig werden. Hier gilt die Schadschwelle „mehr als 10% Blattfraß“. Kontrollieren Sie die Gelbschalen (Käfer) und die Pflanzen (Fraß) mindestens 2x wöchentlich.

Bei den Käfern gilt die Bekämpfungsschwelle von 50 Erdflöhen pro Gelbschale in 3 Wochen. Ob sich ein kritischer Larvenbefall entwickelt, hängt nicht allein von der Anzahl der Käfer ab. Dauer und Intensität der Eiablage und wie viele Larven im Herbst schlüpfen, werden v.a. von den Temperaturen im Oktober bestimmt. Alle Bestände sollten ab Ende Oktober auf Larvensymptome kontrolliert werden. Im Spätherbst kann bei kühleren Temperaturen und längerer Wirkungsdauer dann gezielt gegen die Larven vorgegangen werden.

Bei sehr hohen Käferzahlen in den Gelbschalen ist eine frühe Behandlung gegen den Käfer überlegenswert. Diese ist aber nur vor der Haupteiablage erfolgsversprechend. Es bringt wenig, wenn bereits umfangreich Eier abgelegt wurden und der Oktober noch warm ist. Die Käfer werden dann zwar erfasst und eine weitere Eiablage wird verhindert. Die Wirkungsdauer reicht aber nicht aus, um die später aus den Eiern schlüpfenden Larven zu treffen.

Die Nutzer des Pflanzenschutz-Beratungssystems proPlant expert.classic schätzen die Unterstützung bei den Behandlungsentscheidungen. In den Grafiken werden die Tage mit mäßigen, günstigen und optimalen Bedingungen für Zuflug sowie die günstigen und optimalen Bedingungen für die Eiablage des Schädlings dargestellt. Ausgewertet wird auch die Larvenentwicklung (Anteil geschlüpfter Larven bzw. Anteil großer und nicht mehr bekämpfbarer L3-Larven). Die Bewertung des Verlaufs von Eiablage und Larvenentwicklung erfolgt mit Hilfe einer Laufleiste.

Im Frühjahr 2020 gab es Rapsbestände mit hohem Erdflohlarven-Befall (besonders in Schleswig-Holstein, aber auch in anderen Regionen). In Extremfällen ging es im April sogar um eine Umbruchentscheidung, v.a. wenn der Raps zusätzlich unter der Frühjahrstrockenheit und mangelnder Nährstoffnachlieferung sowie unter den Frostnächten Ende März/Anfang April zu leiden hatte.

Wichtiger Einflussfaktor war der milde Winter 2019/20. Laut DWD war es der zweitwärmste seit Beginn flächendeckender Aufzeichnungen im Jahr 1881: Die dauerhafte, extrem milde Südwestströmung habe für einen „Totalausfall“ des Winters gesorgt. Rapserdflöhe können sehr lange leben und in warmen Wintern und im Frühjahr Eier ablegen. Letzten Winter wurden Eiablage, Ei- und Larvenentwicklung nicht durch niedrige Temperaturen für einen längeren Zeitraum unterbrochen. Die Durchschnittstemperaturen lagen häufig über 4 °C, die abgelegten Eier konnten sich weiterentwickeln, und auch das Wachstum der geschlüpften Larven wurde gefördert. In solchen Fällen können auch Flächen, auf denen im Herbst nur wenige Käfer gefunden wurden, im Frühjahr hohen Larvenbefall aufweisen.

Schaut man sich die Vorjahre an, zeigt sich, dass schon der Herbst 2017 und der Herbst 2018 durch milde Oktobertemperaturen den Käfern gute Eiablagebedingungen ermöglichte. Bereits im Herbst 2018 wurden regional viele Erdflöhe in Gelbschalen gefangen. Es folgte ebenfalls ein milder Winter (2018/19). Dies führte z.B. im Süden und Osten Schleswig-Holsteins im Frühjahr 2019 häufig zu einem hohen Larvenbesatz.

3 Anbaujahre in Folge mit günstiger Witterung für den Populationsaufbau sprechen für ein stärkeres Käferauftreten in diesem Herbst. In den Anbaugebieten im Norden wird auch die Pyrethroid-Resistenz dafür gesorgt haben, dass sich die Situation hochgeschaukelt hat. Offen ist allerdings, ob die heißen Tage im August, in zahlreichen Regionen verbunden mit anhaltender Trockenheit, den Erdflöhen in ihrem Sommerlager „geschadet“ haben. Dort bevorzugen es die Tiere feucht und schattig. Für den jeweiligen Schlag geben nur Gelbschalen Aufschluss über den Befallsdruck.

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